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Glaube und Mut im NS-Widerstand in Tirol
Das Museum Rablhaus bringt mit seinem Outreach-Format „Mobiles Museum Rablhaus“ ein Thema an unterschiedliche Orte in der gesamten Europaregion: „Gesichter der Angst – Geschichten der Hoffnung – Glaube und Mut im NS-Widerstand in Tirol“. Unter diesem Titel präsentieren wir Menschen, die aus festem Glauben an Menschlichkeit und Gerechtigkeit heraus mutig dem NS-Regime die Stirn boten.
Ihr Widerstand zeigte sich nicht nur in großen Taten oder der Zugehörigkeit zu organisierten Gruppen. Auch im Alltag wurde aus tiefer Überzeugung heraus gehandelt – durch ein offenes Wort, eine helfende Geste oder ein mutiges Nicht-Mitmachen. Gerade diese unscheinbaren Entscheidungen erforderten in einer Zeit von Angst und Kontrolle besondere Stärke. Die Ausstellung rückt also auch leise Formen von Zivilcourage in den Fokus – als Ausdruck von Gewissen, Menschlichkeit und innerer Haltung.
Das Mobile Museum Rablhaus tourt im Euregio-Museumsjahr 2025 mit diesem Themenbereich durch alle Landesteile und bietet ein vielfältiges Begleitprogramm mit Veranstaltungen, Lesungen, interaktiven Workshops und Diskussionsrunden an unterschiedlichen Orten. Dabei werden lokale Besonderheiten und Zielgruppen eingebunden, um Austausch und Diskussion zu fördern.
Kulturvermittlung für Schulen
In einer engen Zusammenarbeit mit ausgewählten Schulen bietet die Ausstellung auch ein Kulturvermittlungsprojekt an. Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich mit dem Thema Zivilcourage und den aufbereiteten Biografien der Ausstellung. Das Kulturvermittlungsprojekt ist eine Kooperation zwischen Rablmuseum, Regionalmanagement Schwaz und Tiroler Kulturservice.
Vertiefende Forschung zur NS-Zeit in Hall in Tirol
Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in Hall in Tirol empfehlen wir die Website ns-widerstand-hallintirol von Elisabeth Walder. Die dort präsentierten Forschungsergebnisse sind von zentraler Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur und historische Forschung.
25. 06. 2025
Noch vor dem offiziellen Start der Wanderausstellung am 5. August 2025 setzte die 4c-Klasse des Franziskanergymnasiums Hall am 25. Juni 2025 einen eindrucksvollen ersten Akzent – ein berührender Auftakt, der zeigt, wie lebendig Erinnerungskultur in der Zusammenarbeit von Museum und Schule sein kann.
Die SchülerInnen setzten sich intensiv mit Biographien aus dem Tiroler NS-Widerstand auseinander und entwickelten kreative Beiträge, die Mut und Menschlichkeit sichtbar machen. Diese Veranstaltung im Barocksaal in Hall wurde zur ersten Station der Ausstellung – und zugleich zur vorgezogenen Hoffnung, die aus mutigem Handeln erwächst.
Die Beiträge der SchülerInnen wurden aufgezeichnet und fließen nach und nach in die Wanderausstellung ein, die heuer und 2026 durch Tirol und darüber hinaus tourt – ein lebendiges Zeichen dafür, wie junge Stimmen Geschichte mitgestalten.
12. – 30. 08. 2025
Am 12. August 2025 hat unsere Tour durch die Euregio in den Stadtgalerien Schwaz begonnen. Ein Ort, der für uns eine ganz besondere Rolle spielt: Bereits 2021 durften wir hier zu Gast sein und das Mobile Museum Rablhaus erstmals der Öffentlichkeit präsentieren.
Das Echo damals war überwältigend – der Zuspruch und das Interesse haben uns nachhaltig motiviert und inspiriert. Und diese äußerst positive Resonanz wiederholt sich auch in diesem Jahr. Von Beginn an sind die BesucherInnen sehr vom Thema und von der Präsentation angetan. Besonders wertvoll ist, dass sich sofort einige Personen gemeldet und uns zusätzliche Informationen zu weiteren WiderstandskämpferInnen übermittelt haben.
08. – 15. 09. 2025
Als zweite Station unserer Wanderausstellung wurde Dölsach gewählt. Mit dem Mobilen Museum Rablhaus sind wir im ehemaligen Gasthaus Unterwirt zu Gast – einem historischen Gebäude im Herzen des Ortes, das einen würdigen Rahmen für unser Anliegen bietet.
Dölsach ist nicht nur landschaftlich und kulturell bedeutsam – es ist auch der Heimatort zweier mutiger WiderstandskämpferInnen, die ihr Leben im Einsatz für Gerechtigkeit verloren: P. Edmund Pontiller und Maria Peskoller.
Am 8. September 2025 präsentierten wir in der Gaststube vom Unterwirt vor zahlreichen interessierten BesucherInnen ihre Biographien sowie weitere Aktionen des Widerstandes in Osttirol: das Verstecken von Glocken in Prägraten, die Fluchthilfe für Jüdinnen und Juden nach Italien oder die massiven Proteste gegen das Verbot von Herz-Jesu-Feuern in Innervillgraten.
Doch nicht nur wir gaben Geschichten weiter – im anschließenden Gespräch bot sich die Gelegenheit, miteinander über Mut und Widerstand zu diskutieren. Besonders wertvoll war, dass wir dabei auch zwei neue Geschichten von Personen erfahren haben, die während der NS-Zeit andere beschützt bzw. Widerstand gegen das Regime geleistet haben. Wir werden hier weiter recherchieren und die Ergebnisse in die Ausstellung einbauen.
Radio Osttirol hat am 12.9.2025 dazu einen interessanten Beitrag gesendet.
18. – 30. 09. 2025
Unsere dritte Station war die Rathausgalerie Sterzing, ein Ort voller Geschichte, residierte doch Andreas Hofer eine Zeit lang im Sterzinger Rathaus. Sein Urenkel, ebenfalls namens Andreas Hofer, wurde als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime am 15. April 1945 von der SS im Zuchthaus Stein an der Donau erschossen.
In der Ausstellung wird auch an seinen Einsatz für Menschlichkeit und Gewissen erinnert.
06. – 15. 10. 2025
14. 10. 2025
Die Ausstellung im VZ Jenbach war Teil eines besonderen Schulprojekts: Schüler:innen der MS 2 Jenbach setzen sich intensiv mit den Geschichten des Widerstands auseinander und lernten den Wert von Zivilcourage im Alltag kennen.
Ein lebendiges Zeichen dafür, dass Erinnern nicht stehen bleibt – sondern weiterwirkt.
23. 10. 2025
Die Mittelschule Zell am Ziller nahm mit mehreren Klassen am Vermittlungsprojekt rund um die Wanderausstellung teil. Wie auch in Jenbach waren die Schüler:innen mit großem Engagement dabei und setzten sich intensiv mit den Widerstandskämpfer:innen der NS-Zeit auseinander. Die Parallelen zur Gegenwart, in der der Mut und Zivilcourage ebenfalls von großer Bedeutung sind, standen im Fokus des Projektes.
26. 10. 2025
Im Rahmen des Tages der offenen Tür am 26.10.2025 machte die Ausstellung Station im Landhaus Innsbruck.
Neben dem Mobilen Museum Rablhaus wurden dort auch weitere Museumsprojekte aus der Euregio präsentiert – ein Ort des Austauschs, der Vielfalt und der gemeinsamen kulturellen Verantwortung. Das Interesse der Besucher:innen war enorm.
27. 10. – 16. 11. 2025
Nach der Präsentation im Landhaus blieb das Mobile Museum Rablhaus weiter in Innsbruck und übersiedelte in die Spitalskirche in der Maria-Theresien-Straße – ein wunderbarer Rahmen für unser Zeichen der Erinnerung.
Die Spitalskirche wird von zahlreichen Einheimischen und Tourist:innen besucht – die Anzahl der hinterlassenen Nachrichten war überwältigend und durchwegs positiv.
Als Besonderheit erhielten wir wieder den Namen eines Widerstandskämpfers, der noch nicht Eingang in die historische Forschung gefunden hat.
17. 11. – 03. 12. 2025
Unsere siebte Station ist Mötz – ein Ort des stillen Gedenkens.
Im Kloster der Trinitarierinnen lebte Sr. Angela Autsch, bevor ihr Weg sie in das KZ Auschwitz führte, wo sie 1944 starb.
In Mötz erinnern Gebäude und Gedenktafeln an diese mutige Klosterfrau – und an ihren gelebten Mut in dunkler Zeit.
22. 11. 2025
Worte, die berühren. Erinnerungen, die lebendig bleiben. Ein Abend, der Mut und Mitgefühl feierte – im Gedenken an Sr. Angela Autsch, den „Engel von Auschwitz“.
Geboren 1900 im Sauerland, trat sie mit 33 Jahren in das „Klösterle“ in Mötz ein. Ihre offene Ablehnung des NS-Regimes führte 1940 zu ihrer Verhaftung – zunächst nach Ravensbrück, später nach Auschwitz. Dort wurde sie für viele zur Hoffnungsträgerin, zur „Heiligen in der Hölle des KZ“.
„Angela war wie ein Sonnenstrahl in der finsteren Hölle. Wenn sie mir morgens heimlich zuwinkte, freute ich mich den ganzen Tag.“
(Maria Rosenberger, Mitgefangene in Ravensbrück)
An diesem Abend hörten wir Worte von Sr. Angela selbst – aus ihren Briefen an ihre Mitschwestern – sowie Zeugnisse von mitgefangenen Frauen, die das KZ überlebt haben. Ihre Stimmen berichten von Glauben, Menschlichkeit und unerschütterlicher Hoffnung inmitten von Grauen.
„In dieses Irrenhaus kam Angela wie ein Lächeln der Morgenröte, wie ein Strahl des Sonnenlichtes.“
(Dr. Margita Schwalbová, Ärztin und Mithäftling in Auschwitz)
Im Anschluss an die Lesung mit musikalischer Untermalung berichteten Barbara Cia-Egger aus Mötz, die sich seit 20 Jahren mit Sr. Angela intensiv auseinandersetzt, und die Autorin Annemarie Regensburger, die ein Buch über Sr. Angela geschrieben hat, über ihre ganz persönlichen Zugänge und Gedanken zu dieser beeindruckenden Frau.
04. – 15. 12. 2025
Im Dezember 2025 kehrt das Mobile Museum Rablhaus an den Ausgangspunkt der Tour zurück: in die Stadtgalerien Schwaz.
Mit der Tour durch Tirol setzten wir ein Zeichen – mit starken Biographien, bewegenden Stimmen und einem klaren Appell an Menschlichkeit und Erinnerung.
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Angela Autsch – Brief an die Oberin
Angela Autsch – Brief an die Oberin
Es sind 67 Briefe mit teils verschlüsselten Inhalten von Angela Autsch erhalten. Hören Sie hier einen Auszug aus dem Brief von Schwester Angela an die Mutter Oberin im Kloster Mötz vom 12. Dezember 1943. Der Brief wurde von einem SS-Wachmann aus dem KZ Ausschwitz befördert, der wie Schwester Angela aus dem Sauerland stammte.
Helene Delacher – Abschiedsbrief an den Lebensgefährten
Helene Delacher – Abschiedsbrief an den Lebensgefährten
Helene Delacher ist überzeugte Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Sie führt fünf Ausgaben und eine handschriftliche Abschrift der Glaubensschrift „Wachturm“ bei sich, als sie 1943 an der Grenze zu Italien verhaftet wird. Als einzige Frau der Zeugen Jehovas wird Helene Delacher zum Tode verurteilt und im KZ ermordet. Wenige Stunden vor ihrer Hinrichtung schreibt Helene Delacher ihrem Verlobten einen Abschiedsbrief. Sie ist zu diesem Zeitpunkt knapp 40 Jahre alt.
Andreas Hofer – Bericht eines Zeitzeugen über den Todesmarsch
Andreas Hofer – Bericht eines Zeitzeugen über den Todesmarsch
Erinnerungen eines Augenzeugen an den Zug der Todeskandidaten von Wien nach Stein an der Donau im April 1945.
Karl Mayr – Brief an die Familie
Karl Mayr – Brief an die Familie
15. November 1939. Karl Mayr schreibt einen Brief an seine Frau Regina und schmuggelt ihn mit der Wäsche aus dem Polizeigefängnis in Innsbruck. Er versucht zu erklären, was im Gasthaus Windegg beim Zustammenstoß mit den Behördenvertretern passiert ist. Als er diesen Brief schreibt, hofft er auf einen guten Ausgang. Karl Mayr wird seine Familie nicht wieder sehen.
13 Arnold Wallnöfer – Brief an den Sohn 1944
8 Adele Obermayr – Adele Obermayr jun. über ihre Mutter nach 1972
9 Franz Reinisch – Erinnerung der Schwester an den letzten Besuch 1941
5 Otto Neururer – Zeugenaussage eines Mithäftlings über die Ermordung nach 1945
Das Museum Rablhaus widmet sich als einzige museale Einrichtung im gesamten Alpenraum ausschließlich den Schwerpunkten Volksglaube und Volksmedizin, die sowohl Elemente des Glaubens als auch des Aberglaubens bzw. der Religion und der Magie in sich vereinen. Die Themenbereiche stehen in engem Zusammenhang mit den Herausforderungen des Lebens und sind daher immer aktuell. Aufgrund des ständig wachsenden Interesses an diesem einzigartigen und spannenden Inhalt entwickelte das Museumsteam 2021 ein neues Vermittlungsformat, das Mobile Museum Rablhaus.
Das Mobile Museum Rablhaus ermöglicht als flexibler, örtlich unabhängiger Ausstellungs-, Bildungs- und Kommunikationsraum die Auseinandersetzung mit der Welt des Überirdischen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auch außerhalb der Museumsräumlichkeiten. Durch dieses offene Angebot werden neue Zielgruppen angesprochen und Schwellenängste reduziert. Dies führt zu einem verstärkten Zugang zum Kulturgeschehen und fördert die Partizipation an kulturellen Aktivitäten.
Sollten Sie Fragen zum Mobilen Museum Rablhaus oder Interesse an einer Kooperation haben, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.